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Generation TRance- Die mehrgenerationen party
im Interview mit Pico vom Trance-Kollektiv Sachsentrance
Josi: Wer seid ihr, und was steckt hinter Sachsentrance?
Pico: Sachsentrance ist ein community-basiertes Trance-Kollektiv und Label aus Leipzig und Berlin, das seit Jahren Formate entwickelt, in denen es um Vielfalt, Freude und Community-Building geht – nicht nur um eine Partyreihe im klassischen Sinne. Wir sind ein Netzwerk aus DJs, Veranstalter:innen und Künstler:innen, die elektronische Musik mit einer klaren Haltung verbinden: gegen Diskriminierung und für ein möglichst inklusives Nachtleben – unabhängig von Alter, Gender, Herkunft oder Szene-Background.
Josi: Was genau ist "Generation Trance"?
Pico: „Generation Trance“ ist unsere Mehrgenerationen-Party in der Moritzbastei, bei der bewusst alle Menschen eingeladen sind, insbesondere aller Altersgruppen. Es ist kein „normaler“ Clubabend, sondern ein Experiment: Bingo, Kinderdisko, Kaffee und Kuchen treffen auf Trance- und Techno-Floor, Schlager- und Disco-Set und eine Atmosphäre, die auch für Menschen funktioniert, die sonst nie in einen Club gehen würden.
Josi: 2024 gab es bereist ein "Generation Trance". Was habt ihr erlebt?
Pico: Zur Premiere im März 2024 kamen mehrere hundert Gäste in die Moritzbastei, darunter auch ein paar ältere Menschen. Die LVZ hat über Bingo, Rollator-Polonaise und das Ziel berichtet, Menschen aller Altersgruppen gemeinsam feiern zu lassen – und genau das hat man im Raum gespürt: Leute, die sich im Alltag selten begegnen, haben nebeneinander Bingo gespielt, getanzt und gelacht. Gleichzeitig haben wir gemerkt, dass viele ältere Menschen zwar neugierig sind, aber trotzdem noch Hürden erleben – zeitlich, organisatorisch, auch mental.
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Josi: Warum ist euch das Generationen-Thema so wichtig?
Wir leben in einer Gesellschaft, in der die Generationen sich zunehmend in eigene Bubbles zurückziehen: Jüngere und Ältere haben unterschiedliche Medien, unterschiedliche Räume, unterschiedliche Routinen – echte Berührungspunkte werden weniger. Das führt zu gegenseitigem Unverständnis: Jüngere wissen kaum noch, wie sich das Altern in einer digitalisierten, beschleunigten Welt anfühlt, und Ältere erleben Club- und Popkultur oft als etwas, das „nicht mehr für sie“ gedacht ist. Mit „Generation Trance“ wollen wir diese Gap nicht theoretisch diskutieren, sondern praktisch bearbeiten: indem wir einen Raum schaffen, in dem man sich begegnet, sich erlebt und merkt, wie viel Humor, Wärme und Neugier auf beiden Seiten noch da ist. Wir wollen Verständnis schaffen, dass Menschen unterschiedlicher Generationen und Perspektiven sich wieder besser verstehen können.
Josi: Warum ist euch das Generationen-Thema so wichtig?
Wir leben in einer Gesellschaft, in der die Generationen sich zunehmend in eigene Bubbles zurückziehen: Jüngere und Ältere haben unterschiedliche Medien, unterschiedliche Räume, unterschiedliche Routinen – echte Berührungspunkte werden weniger. Das führt zu gegenseitigem Unverständnis: Jüngere wissen kaum noch, wie sich das Altern in einer digitalisierten, beschleunigten Welt anfühlt, und Ältere erleben Club- und Popkultur oft als etwas, das „nicht mehr für sie“ gedacht ist. Mit „Generation Trance“ wollen wir diese Gap nicht theoretisch diskutieren, sondern praktisch bearbeiten: indem wir einen Raum schaffen, in dem man sich begegnet, sich erlebt und merkt, wie viel Humor, Wärme und Neugier auf beiden Seiten noch da ist. Wir wollen Verständnis schaffen, dass Menschen unterschiedlicher Generationen und Perspektiven sich wieder besser verstehen können.
Josi: Wie sieht das ganz konkret bei der nächsten Ausgabe aus – was unterscheidet 2026 von 2024?
Pico: Ein wichtiger Lerneffekt aus 2024 war: Der Start um 18 Uhr war für viele Ältere immer noch zu spät, obwohl das für die Clubszene schon „früh“ ist. Einige Senior:innen waren da, aber weniger als erhofft – gerade lokale Seniorenvereine haben uns gespiegelt, dass Zeit, Mobilität und Barrieren eine große Rolle spielen. Deshalb starten wir diesmal bereits um 14 Uhr, bieten Bingo und andere niedrigschwellige Angebote am Nachmittag an und bauen die Zusammenarbeit mit Seniorenvereinen systematischer aus, um Bedürfnisse direkt in die Planung einfließen zu lassen.
Josi: Wie schafft ihr es, dass sich ältere Menschen im Club wirklich wohlfühlen?
Pico: Wir denken den Club aus ihrer Perspektive: barrierefreie Zugänge, Rollator-freundliche Wege, viele Sitzmöglichkeiten, Ruhezonen und ein Willkommens-Team, das Orientierung gibt. Dazu kommen vertraute Formate wie Bingo und Kinderdisko, Kaffee und Kuchen, Blumendeko und eine freundliche Atmosphäre, die nichts mit der oft düsteren, oft eher kalten Clubästhetik zu tun hat. So senken wir gleich mehrere Hürden – zeitlich, räumlich, kulturell und kommunikativ – und machen deutlich: Ihr seid hier wirklich gemeint, nicht nur „mit eingeladen“.
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Josi: Und wie holt ihr die jüngeren Generationen ab, damit das kein „Senioren-Event“ wird?
Pico: Wir sind ein Trance- und Clubkollektiv, also gibt es natürlich einen klassischen, euphorischen Trance- und Techno-Floor mit Sachsentrance-DJs und Gästen, der von nachmittags bis in die Nacht läuft. Parallel dazu bieten wir einen Schlager-/Disco-Floor, moderiert unter anderem von Lutz Stolberg, der viele Ältere musikalisch abholt, und auch als Mr. Musik über ein ausgesprochen breites Musikwissen verfügt, und auch noch spannende Hintergrundinformationen in seine Moderation einfließen lässt. Und damit jüngeren Menschen einen interessanteren Zugang zu der Musik ihrer Eltern oder Großeltern gibt. Genau diese Überlagerung ist der Kern: Auch wenn jüngere wohl eher wegen des Clubprogramms kommen, Ältere wegen Bingo, Disco und Kaffee, denken wir das das sehr stereotypische Vorurteile sind, die wir beobachten wollen, wobei es uns grundsätzlich egal ist wer aus welchem Grund zu der Veranstaltung kommt. Wir wollen einfach einen Raum schaffen, der möglichst viele Menschen mitdenkt und am Ende tanzen alle in irgendeinem Moment im selben Raum.
Josi: Wie reagiert die Clubszene auf so ein Format – passt das überhaupt zu Techno und Trance?
Pico: Die Resonanz war extrem positiv: In der Szene werden wir seit Jahren als Teil des aktuellen Trance-Revivals wahrgenommen und gleichzeitig als Kollektiv, das ungewöhnliche, liebevoll kuratierte Formate baut. Viele fanden gerade die Kombination aus Scooter-Moment, Rollator-Polonaise und späterem Trance-Floor spannend, weil sie zeigt, dass Clubkultur nicht nur ernst, dunkel und exklusiv sein muss, sondern ein Ort für Humor, Nähe und Überraschungen sein kann.
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PicoJosi: Ihr sprecht von „gesellschaftlichen Spaltungen“. Wie kann eine Party da überhaupt etwas bewegen?
Pico: Natürlich löst eine Party nicht alle gesellschaftlichen Konflikte, aber sie kann Erfahrungsräume öffnen, die im Alltag fehlen. Wenn eine 25-Jährige bei Bingo neben einer 70-Jährigen sitzt, die vom Tanzen in den 80er Jahren erzählt, oder wenn jemand die eigene Mutter mit zur Trance-Party nimmt und sie plötzlich versteht, was das eigene Nachtleben bedeutet – dann passiert etwas, das keine Social-Media-Debatte ersetzen kann. Diese gemeinsamen Erlebnisse bauen Vorurteile ab: Ältere erleben, dass „die Jugend“ nicht nur laut und rücksichtslos ist, und Jüngere merken, wie viel Lebensfreude und Humor in älteren Körpern steckt.
Josi: Welche Rolle spielen Sicherheit, Awareness und Alkohol bei „Generation Trance“?
Pico: Sicherheit heißt bei uns nicht nur Türsteher, sondern ein Awareness-Team, ruhige Bereiche, barrierefreie Toiletten und ein Community-Care-Ansatz, bei dem sich Jüngere und Ältere gegenseitig unterstützen. Wir werden auch einen Awareness Stand aufbauen, indem sich Leute informieren können was Awareness im Club Kontext bedeutet und warum das wichtig ist. Wir denken das einige Gäste wohl auch noch nicht viel mit Awareness in Kontakt gekommen sind, hier sehen wir einen guten Moment um auch sinnvolle Bildungsarbeit zu leisten. Durch Bingo, Kinderdisco, dem DJ Workshop und andere interaktive Formate schaffen wir Momente, in denen es um Begegnung und Spaß geht, nicht um Eskalation – unterstützt durch ein starkes Angebot an alkoholfreien Drinks, Kaffee, Tee und Wasser.
Josi: Was wünscht ihr euch langfristig von „Generation Trance“ – und von der Stadtgesellschaft?
Pico: Wir wünschen uns, dass „Generation Trance“ sich als wiederkehrendes Format etabliert - gerne auch in anderen Städten. Langfristig wäre es schön, wenn Clubkultur ganz selbstverständlich generationenoffener wird – nicht im Sinne von „immer alle gleichzeitig“, sondern im Sinne von mehr Respekt, mehr Begegnung und der Anerkennung, dass Musik, Tanz und Feiern kein Verfallsdatum haben. Von der Stadtgesellschaft wünschen wir uns Neugier: Eltern, die sich trauen mitzugehen, Senior:innen, die sagen „Ich probier das aus“, und Institutionen, die solche Versuche unterstützen, statt sie nur als Nischenprojekt abzutun.
Josi: Vielen Dank für deine Zeit!